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Aktuelles / 19. Mai 2026

3 Fragen an Dr. Thomas Weckelmann, Familien-Ministerium des Landes Nordrhein-Westfalen

In unserer Blogserie „Drei Fragen an …“ lassen wir Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Verwaltung und Praxis zu Wort kommen. Wir sprechen über ihre persönlichen Beweggründe, aktuelle fachliche Einschätzungen und darüber, warum es gerade jetzt starke gemeinsame Impulse für die frühe Bildung in Deutschland braucht.

Heute im Gespräch: Dr. Thomas Weckelmann, Ministerium für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen

I. Was hat Ihr Interesse an der frühen Bildung geweckt, und welche persönlichen Motivationen treiben Sie an, die frühkindliche Bildung aus der Verwaltungsebene des Landes NRW heraus aktiv mitzugestalten?

Frühkindliche Bildung ist das Allerwichtigste, was wir unseren Kindern mitgeben können. Sie ist essenziell für die ganzheitliche Entwicklung von kognitiven, sozialen und motorischen Fähigkeiten. Sie fördert spielerisch Neugier und Selbstwirksamkeit, gleicht soziale Benachteiligungen aus und legt als erste Bildungsstufe den Grundstein für den späteren schulischen sowie beruflichen Erfolg. Hier müssen wir noch mehr Augenmerk darauflegen und das Thema noch stärker in den Mittelpunkt aller politischen Bemühungen stellen. Wenn wir unsere Gesellschaft weiter stärken wollen, müssen wir uns auch in diesem Bereich stärker engagieren. Frühkindliche Bildung ist das Präventionsangebot schlechthin, um frühzeitig Bildungsdefiziten entgegenzuwirken, und der Schlüssel zur Chancengleichheit.

II. Aus Sicht der Landesverwaltung: Wo sehen Sie aktuell den größten Handlungsdruck, um die strukturellen Rahmenbedingungen zu schaffen, die es braucht, um die Ziele des Nationalen Forums Frühe Bildung nachhaltig in die Fläche zu bringen?

Ein Thema, das wir auch auf unserer Tagung schon in den Blick genommen hatten: Wir müssen mehr Kinder, v.a. die, die es besonders bräuchten, in die Kitas bringen. Die Betreuungsquote gerade für Kinder in herausfordernden Lagen muss erhöht werden. Mir schweben dabei folgende mögliche Maßnahmen vor:

  • Zentrale Buchungssysteme, sodass die Platzvergabe transparenter wird.
  • Mehr Wirkung im Sozialraum (Stichwort Familienzentren u.ä.), um kita-skeptische Eltern besser zu erreichen.

Ein weiteres Thema ist, die Anerkennung für Care-Berufe deutlich zu stärken und darüber Personal zu gewinnen. KI/AI wird so vieles ersetzen, aber nicht die Arbeit am und mit dem Menschen. Kita-Jobs haben daher großes Zukunftspotenzial.

Im Zuge der Social-Media-Debatte wird es auch darum gehen müssen, ein Bewusstsein für die schwerwiegenden Folgen der digitalen Ablenkung der Eltern zu schaffen. Die Gesellschaft reagiert sehr sensibel auf Alkoholkonsum in der Schwangerschaft oder auch auf das Rauchen in Gegenwart von Kindern. Dabei zeigen Studien, wie schädlich der ständige Griff der Eltern zum Smartphone für das Aufwachsen von Kindern ist. Es bedarf einer öffentlich sichtbaren Debatte, damit Eltern lernen, wie sehr sie ihren Kindern mit ihrem Verhalten schaden.

III. Welcher aktuelle Diskurs oder welche politische Maßnahme macht Ihnen Mut, dass wir die Qualität und Chancengerechtigkeit in der frühen Bildung in Deutschland kurz- bis mittelfristig deutlich verbessern können?

Kita als essentielle Bildungsinstitution anerkennen und fördern. Kindertageseinrichtungen sind viel mehr als nur Betreuungsanstalten. Sie sind Bildungsräume, in denen Kinder essentielle Grundkompetenzen erlernen, die wiederum ihre weiteren Bildungserfahrungen entscheidend prägen.

Dabei geht es um deutlich mehr als um die Vorbereitung des Übergangs in die Grundschule. Frühe Bildung umfasst ein breites Feld sprachlicher, mathematischer, sozialer, kultureller und ästhetischer Bildungserfahrungen. Eine gute Kita kann Kinder mit wichtigen Basis-Kompetenzen für die Bewältigung unterschiedlicher Lebensumbrüche vorbereiten. Kinder lernen essentielle Kompetenzen wie Selbstregulation, kritisches Denken und Kommunikationsfähigkeit. Kitas bereiten Kinder auf eine komplexe und diverse Zukunft voller Herausforderungen vor, in der Mündigkeit, Partizipation und lebenslange Lernfähigkeit entscheidend sind, und leisten somit einen unschätzbaren Beitrag zur Persönlichkeitsentwicklung von Kindern. Gute Kitas, in denen frühkindliche Bildung ernst genommen wird, bauen das Fundament unserer Gesellschaft von morgen.

Diese Bedeutung verdient mehr Beachtung und Wertschätzung. Trotz aller Fortschritte der letzten Jahre werden Kitas häufig immer noch schwerpunktmäßig unter dem Aspekt der „Betreuung“ und als kurzfristiges Mittel zum Zweck der Berufstätigkeits-Sicherung von Eltern wahrgenommen – mit den entsprechenden Folgen auch für politische Priorisierungen. Kinder verdienen mehr, in ihrem eigenen Interesse sowie im Interesse unserer Gesellschaft.

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