3 Fragen an Mirja Wolfs, Geschäftsführerin von Katholino Kitas im Erzbistum Köln
In unserer Blogserie „Drei Fragen an …“ lassen wir Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Verwaltung und Praxis zu Wort kommen. Wir sprechen über ihre persönlichen Beweggründe, aktuelle fachliche Einschätzungen und darüber, warum es gerade jetzt starke gemeinsame Impulse für die frühe Bildung in Deutschland braucht.
Heute im Gespräch: Mirja Wolfs, Geschäftsführerin von Katholino Kitas im Erzbistum Köln.
I. Was hat Ihr berufliches Interesse an der frühen Bildung geweckt, und was motiviert Sie persönlich, tagtäglich Verantwortung als Geschäftsführerin eines großen Trägers zu übernehmen?
Mein Weg in die frühe Bildung war nicht vorgezeichnet. Ich habe Erwachsenenbildung studiert und mich intensiv mit Lernprozessen und Entwicklungspsychologie auseinandergesetzt. Erst durch eine berufliche Station bei einem katholischen Kita-Träger wurde mir bewusst, wie grundlegend die ersten Lebensjahre für Bildungswege, Selbstvertrauen und gesellschaftliche Teilhabe sind. Hier entstehen Selbstwirksamkeit und Bildungsgerechtigkeit. Kinder kommen mit großer Neugier und einem starken inneren Antrieb zu lernen auf die Welt. Sie erschließen sich ihre Umwelt über Beziehungen, Resonanz und eigenes Tun, durch Spielen, Forschen und Ausprobieren, und brauchen Erwachsene, die diese Prozesse verstehen und verlässlich begleiten. Als Geschäftsführerin motiviert es mich, genau dafür die notwendigen Rahmenbedingungen zu schaffen. Mich trägt die Überzeugung, dass jeder Mensch von Anfang an wertvoll ist und Entwicklungspotenzial in sich trägt und dass Investitionen in frühe Bildung zugleich Investitionen in eine gerechtere Gesellschaft sind.
II. Sie kennen die täglichen Herausforderungen in den Kitas aus erster Hand. Wo sehen Sie aktuell den größten Handlungsdruck für Träger in Deutschland, um die Qualität der Bildung trotz Fachkräftemangel und struktureller Engpässe zu sichern?
Der zentrale Handlungsdruck besteht darin, Qualität in einem System zu sichern, das gleichzeitig wachsen, sich weiterentwickeln, demografischen Veränderungen anpassen und stabil bleiben muss. Fachkräftemangel, steigende Anforderungen und zunehmend komplexe Lebenslagen vieler Familien treffen unmittelbar auf den Kita-Alltag. Gerade deshalb darf Qualität nicht auf strukturelle Mindeststandards reduziert werden. Sie entsteht vor allem in der Beziehung zwischen Fachkraft und Kind. Kinder lernen nicht im Gleichschritt; sie brauchen Erwachsene, die sensibel wahrnehmen, individuell begleiten und gezielt fördern.
Ein entscheidender Hebel liegt in der Stärkung pädagogischer Kompetenz und professioneller Strukturen: qualifizierte Leitungen, gezielte Personalentwicklung, multiprofessionelle Teams, fundierte Entwicklungsbeobachtungen und tragfähige Netzwerke im Sozialraum. Kitas sind zentrale Anker für Familien und wichtige Orte gesellschaftlicher Teilhabe. Trotz hoher Belastungen erlebe ich im Feld eine große Motivation und Professionalität. Wenn es gelingt, diese Ressourcen zu stärken und strukturell abzusichern, kann Qualität auch unter anspruchsvollen Rahmenbedingungen bestehen.
III. Welches Projekt, welches Konzept oder welcher Diskurs macht Ihnen aktuell Mut für die Zukunft der frühkindlichen Bildung und welche Vision verfolgen Sie mit Ihrer Arbeit im Vorbereitungskreis des Forums?
Mut macht mir die wachsende Bedeutung von Sozialraumorientierung und gezielten Unterstützungsprogrammen wie Chancen-Kitas. Sie zeigen, dass frühe Bildung dann besonders wirksam ist, wenn Einrichtungen nicht isoliert arbeiten, sondern als zentrale Orte für Familien im Quartier gestärkt werden. Wenn Ressourcen, Beratung und Kooperationen dort ansetzen, wo die Bedarfe am größten sind, können Kitas Bildungsbenachteiligung früh ausgleichen und echte Teilhabe ermöglichen. Gleichzeitig entlastet ein tragfähiges Netzwerk die Fachkräfte und schafft verlässliche Voraussetzungen für qualitätsvolle pädagogische Arbeit. Ein wichtiger Schritt hin zu mehr Bildungsgerechtigkeit und zu einem System, das Kinder und Familien tatsächlich erreicht.
Ebenso ermutigen mich die vielen engagierten und qualifizierten Menschen im System der frühen Bildung, in Kitas, bei Trägern und Verbänden ebenso wie in Wissenschaft und Politik, die bereit sind, Gewohntes zu hinterfragen, Verantwortung zu übernehmen und notwendige Veränderungen aktiv mitzugestalten. Gerade in einem Feld, das auch von Bewahrung geprägt ist, braucht es diesen Mut, Probleme offen anzusprechen und neue Wege zu gehen. Das Forum bietet hierfür einen zentralen Raum, um Perspektiven zusammenzuführen, voneinander zu lernen und tragfähige Lösungen für die Zukunft zu entwickeln.