Handlungsempfehlungen Nationales Forum Frühe Bildung 2026
Vom 16. bis 17. Juni 2026 trafen sich Verantwortliche der frühen Bildung zum 2. Nationalen Forum Frühe Bildung in Heilbronn. Stakeholder aus Praxis, Verwaltung, Politik, Wissenschaft, Trägern, Verbänden, Medien, Stiftungen und Zivilgesellschaft diskutierten 24 Stunden unter dem Titel „Bildungskrise in der Kita? Wie die Qualität in der frühen Bildung gesteigert werden kann.“ Die nachfolgenden Handlungsempfehlungen sind das verdichtete Resümee aus den Vorträgen und Diskussionen des Forums. Die Empfehlungen erheben keinen Anspruch, die Meinung jedes Teilnehmenden wiederzugeben.
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6 Heilbronner Handlungsempfehlungen für die frühe Bildung
Vorbemerkung
Die Qualität früher Bildung entscheidet darüber, wie gut Kinder ihre Bildungsbiografie bewältigen – das ist ihr Grundrecht, nicht nur ein Grundbedürfnis. Besonders für Kinder,
die in herausfordernden Lagen aufwachsen, ist die tägliche pädagogische Arbeit in der Kita dabei entscheidend.
Es gibt verschiedene Dimensionen von Qualität in der frühkindlichen Bildung: von förderlichen Rahmenbedingungen (Gruppengrößen, Personalschlüssel, Ausbildung) über
die Klarheit von Zielen und professionellen Überzeugungen bis hin zur konkreten pädagogischen Arbeit: also der Interaktionen zwischen Fachkräften und Kindern, ihrer
emotionalen Unterstützung sowie den Bildungsroutinen. Sie wird „Prozessqualität“ genannt und hat laut Wissenschaft den größten Einfluss auf die Entwicklung der Kinder.
Deshalb stand sie im Mittelpunkt des Forums und ist Kern dieser Empfehlungen. Die pädagogischen Prozesse in der frühen Bildung sollten systematisch erfasst, bewertet und
stärker in den Fokus von Politik und Praxis gerückt werden. Davon unbenommen ist die Tatsache, dass in sehr vielen Einrichtungen unter schwierigen Bedingungen schon heute engagiert und professionell gearbeitet wird.
1. Prozessqualität systematisch erfassen
Während aktuelle Daten zur Strukturqualität (Personalschlüssel, Gruppengrößen …) hierzulande vorliegen, fehlen aktuelle, bundesweit belastbare Daten zur Prozessqualität. Politik, Träger und Praxis brauchen ein einheitliches, bundesweites Monitoring zur Prozessqualität, das von allen Beteiligten als effektives Steuerungssystem verstanden wird und aus dem konkret gelernt werden kann.
2. Daten in Qualitätsentwicklung übersetzen
Daten allein verbessern noch keine pädagogische Praxis. Entscheidend ist, ein solches Monitoring als Hilfe zu verstehen, die eigene Arbeit zu reflektieren und zu verbessern sowie das System zu steuern. Ziel sollte eine Kultur der datengestützten Qualitätsentwicklung auf allen Ebenen sein, von Politik, Verbänden und Trägern bis hin zu den einzelnen Kitas. Hierfür müssen Weiterbildungsangebote und zeitliche Ressourcen zur Verfügung stehen. Um den Aufwand für die Fachkraft gering zu halten, sollten praxistaugliche Apps, Dashboards und KI datenschutzkonform genutzt werden.
3. Externe Evaluation verankern
Wer öffentliche Mittel beansprucht, muss bereit sein, die geleistete pädagogische Arbeit kontinuierlich zu reflektieren. Externe Evaluation sollte für Träger wie für Fachkräfte zur Selbstverständlichkeit werden – verstanden nicht als Kontrolle, sondern als Grundlage und Unterstützung für die Weiterentwicklung der Arbeit. Transparenz mit den Ergebnissen der pädagogischen Arbeit kann das Vertrauen der Familien in die Kitas fördern.
4. Strukturverbesserungen mit Qualitätsentwicklung verbinden
Der demografische Wandel bietet die Chance, den Personalschlüssel in bestimmten Regionen zu verbessern. Die Verbesserung dieser Strukturqualität muss jedoch mit einem (daten-gestützten) Konzept zur Erhöhung der pädagogischen Qualität einhergehen. Politik, Verbände und Träger sind aufgefordert, hierfür gemeinsame verbindliche Verabredungen zu treffen.
5. Leitung stärken
Gute Prozessqualität braucht verlässliche Rahmenbedingungen, kindzentrierte und überprüfbare Ziele sowie eine kluge, daran geknüpfte Ressourcensteuerung. Leitungskräfte
sind der Schlüssel für eine gelingende Organisationsentwicklung; sie benötigen eine spezifische Aus- und Fortbildung, mehr fachliche Unterstützung und ausreichende Zeitressourcen.
6. Rahmenpläne der Länder verbindlicher machen
In allen Bundesländern gibt es Rahmenpläne als Orientierung für die pädagogische Arbeit in den Kitas. Eine Verbindlichkeit in der Umsetzung fehlt bislang, mit der Konsequenz,
dass sie ihre ursprüngliche Intention als Steuerungsinstrument verfehlen. Die Länder sollten daher ihre pädagogischen Rahmenpläne gegenüber Verbänden und
Trägern weniger als nice-to-have, sondern verbindlich begreifen, deren Umsetzung im Rahmen externer Evaluationen überprüft wird.
Heilbronner Handlungsempfehlungen Nationales Forum Frühe Bildung 2026
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Als Strategieexperte und Moderator mit jahrzehntelanger Erfahrung führt Stephan Dorgerloh (er/ihm) Stiftungen wie Unternehmen durch komplexe Prozesse inhaltlichen und organisatorischen Wandels. Als früherer Kultusminister von Sachsen-Anhalt ist er erster Ansprechpartner für unsere Kernthemen Bildung und Demokratie, Kultur und Politik. Nach dem Nationalen Bildungsforum möchte er nun mit dem Nationalen Forum Frühe Bildung der jüngsten Generation jährlich eine Plattform schenken.